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Lehrlingsmonitor

Lehrlingsmonitor – 3. Ausgabe

Der dritte Österreichische Lehrlingsmonitor ist die periodische Fortführung des seit 2015 etablierten Lehrlingsmonitors. Ziel ist es, die Situation der Lehrlinge in der betrieblichen Ausbildung repräsentativ zu erheben, um zusätzliches Wissen für die Steuerung und Weiterentwicklung des Lehrausbildungssystems zu erhalten.

Zentrale Fragestellung des Lehrlingsmonitors ist, wie Lehrlinge ihre Ausbildungssituation und ihren Ausbildungsverlauf am Ende ihrer Ausbildung bewerten. Das wesentliche bildungspolitische Ziel sollte dabei die Aufwertung der Lehrausbildung sein.

Dazu wurde eine Online-Befragung von Lehrlingen im letzten Ausbildungsjahr durchgeführt. Insgesamt umfasst die Stichprobe auswertbare Fragebögen von 5.253 Lehrlingen. Im vorliegenden Bericht werden die Ergebnisse für diese Lehrlinge sowie für die 25 Lehrberufe in einer Übersicht deskriptiv aufgezeigt.

EINFÜHRUNG UND AUSGANGSLAGE

Die Lehrausbildung steht in Österreich vor zahlreichen Herausforderungen. Darunter fallen etwa der Übergang von der industriellen zur Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft, die Akademisierung von Bildung und Höherqualifizierung von Berufen, die geschlechterspezifische Segmentierung des Lehrstellenmarktes sowie die Europäisierung der Bildungspolitik (Busemeyer & Trampusch, 2012, S. 27–33).

Die Anzahl des Gesamtbestandes der Lehrverhältnisse ist zwischen 2014 und 2017 von 115.068 auf 106.613 zurückgegangen, jedoch konnte 2018 gegenüber dem Vorjahr wieder ein Zuwachs auf 107.915 dokumentiert werden.

Ebenso hat sich die Zahl der Lehrbetriebe in diesem Zeitraum von 31.773 (2014) auf 28.944 (2019) erheblich reduziert, wenngleich auch hier im Jahr 2018 eine Stabilisierung auf 28.877 beobachtet werden konnte. Dieser Rückgang lässt sich zu einem großen Teil durch die demografische Entwicklung bei den jungen Menschen erklären: Seit 2007 geht die Anzahl der 15-Jährigen stetig zurück, wobei auch hier 2018 wieder ein leichter Anstieg erkennbar war. Indessen haben sich die Erfolgsquoten bei Lehrabschlussprüfungen von 81,7 % (2014) auf 79,6 % (2018) weiter kontinuierlich verringert. (Quelle: Lehrlings- und Prüfungsstatistik der WKO, abgerufen am 28.8.2019.)

In den letzten zwei Jahren wurde vor allem der Ausbau der Lehrausbildung als soziales Sicherungsnetz im Zuge der 2016 gesetzlich verankerten Ausbildungspflicht bis 18 (AusBildung bis 18) vorangetrieben. Die überbetriebliche Ausbildung spielt in diesem Prozess eine zentrale Rolle. Die Ergebnisse einer begleitenden Evaluierung der Implementierung der AusBildung bis 18 liegen bereits vor (Steiner u. a., 2019). Hierzu wird einerseits das Angebot für niederschwellige Einstiegsqualifikationen (z. B. Teilqualifikationen) und andererseits für leistungsstarke Lehrlinge (z. B. Lehre mit Matura) forciert.

Ein weiterer bildungspolitischer Schwerpunkt lag in den letzten zwei Jahren auf der Umsetzung der im Zuge der BAG-Novelle 2015 verankerten Zielsetzung, „[…] auf die Aktualität und Arbeitsmarktrelevanz der Berufsbildung der einzelnen Lehrberufe hinzuwirken“ (§ 1a BAG). Zwischen 2018 und 2019 wurden mehr als 30 Lehrberufe neu entwickelt, neu geregelt oder an veränderte Anforderungen angepasst.1 Begleitend dazu wurde durch mehrere parallel laufende Projekte versucht, den Entwicklungsprozess von Lehrberufen neu zu gestalten.

Ein weiteres ergänzendes Element in diesem Prozess ist eine wissenschaftlich fundierte Analyse des Status quo (Lehrberufs-Screening), auf deren Basis sowohl potenzieller Handlungsbedarf als auch die erforderliche Entwicklungsrichtung bei Berufsbildern identifiziert werden können. Schlussendlich wurde die Neugestaltung der inhaltlichen Ordnungsarbeit (inhaltliche Entwicklung von Lehrberufen), die bereits seit 2014 im Gange ist (Wallner, 2018; Schlögl, Stock & Mayerl, 2019, S. 286f), nach kompetenzorientierten Prinzipien weiter fortgeführt.

Mit der Novelle des BAG 2017 haben „die Lehrberechtigten die Kosten der Unterbringung und Verpflegung, die durch den Aufenthalt der Lehrlinge in einem für die SchülerInnen der Berufsschule bestimmten SchülerInnenheim zur Erfüllung der Berufsschulpflicht entstehen (Internatskosten), zu tragen“ (§ 9 Abs. 5 BAG). Die Lehrberechtigten können jedoch einen Kostenersatz bei der Lehrlingsstelle beantragen (Dornmayr & Löffler, 2018, S. 12).

Es wurden aus verschiedenen Perspektiven die beruflichen Lernprozesse im Betrieb auf Basis von empirischen Befunden thematisiert. Der berufsbildungsspezifische Beitrag des aktuellen Nationalen Bildungsberichtes legte seinen wissenschaftlichen Fokus auf die Planung, Umsetzung und Kontrolle der beruflichen Lernprozesse in der beruflichen Erstausbildung, in der die Lehrausbildung eine zentrale Säule darstellt (Schlögl, Stock & Mayerl, 2019).

In Bezug auf die Digitalisierung zeigt eine Analyse der Ausbildungsordnungen, in welcher Form diese Veränderungen in den einzelnen Berufsbildpositionen bereits berücksichtigt sind und an welchen Stellen zusätzliche Qualifikationen und Kompetenzen in den Ausbildungsordnungen und Berufsschullehrplänen verankert werden sollten (Schmölz, Erler & Proinger, 2018).

Der Lehrlingsmonitor stützt sich auf ein umfassendes Qualitätsverständnis. Aus einer Innensicht wird mit dem Lehrlingsmonitor offengelegt, wie Lehrlinge die Rahmenbedingungen und den Prozess des beruflichen Lernens mit Fokus auf den Lernort Betrieb subjektiv wahrnehmen und bewerten. Zudem bietet der Lehrlingsmonitor einen repräsentativen Blick auf die zahlreichen Problemlagen, in und außerhalb der Ausbildung, mit denen die jungen Menschen zu kämpfen haben.


1 Lehrberufspaket 2018 (13 neu entwickelte oder neu geregelte Lehrberufe, Juli 2018), Lehrberufspaket II 2018 (2 Lehrberufe, August 2018), Lehrberufspaket I/2019 (5 Lehrberufe, Mai 2019), Lehrberufspaket II/2019 (15 Lehrberufe, Juli 2019).

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